Was macht Geld mit uns? Diese Frage beschäftigt mich in den letzten Jahren intensiv – aber rückblickend war sie eigentlich immer schon da. In jeder beruflichen Station, in jeder Begegnung. Ich habe es nur lange nicht so wahrgenommen. Zu sehr abgegrenzt. Zu viele Vorurteile. Zu wenig Neugier auf das, was Geld wirklich ist.
Mein Name ist Cristian. Ich bin Sozialwissenschaftler im Bereich Soziologie und Sozialpolitik und seit über 10 Jahren in verschiedenen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit tätig. Dabei durfte ich verschiedene Rollen und Aufgaben wahrnehmen:
- als Beistandsperson für Erwachsene
- als Sozialarbeiter in der Jugendanwaltschaft
- als Sozialberater für schwerhörige und gehörlose Menschen
- als betrieblicher Sozialberater für Mitarbeitende und Vorgesetzte in verschiedenen Unternehmen
- als Präventionsverantwortlicher für Budget- und Schuldenthemen
Auch wenn diese Bereiche grosse Unterschiede aufweisen, haben sie eine grosse Gemeinsamkeit: Geld.
Es war überall Thema. Weil Geldnot vorhanden war und eine Person nicht wusste, wie sie die nächste Rechnung bezahlen sollte. Oder wegen einer Erkrankung oder einem Unfall plötzlich kein oder ein reduziertes Einkommen hatte. Die Konsequenzen: Unsicherheit, Überforderung, Stress.
Es kam aber auch dazu, dass Geld eine massive Entlastung darstellte: Als ein Rentenbescheid eintraf. Eine Anstellung mit existenzsicherndem Lohn erfolgte. Oder eine Stiftung eine finanzielle Unterstützung zusprechen konnte.
Manchmal war es auch indirekt Thema – wenn jemand ärztliche Hilfe lange hinauszögerte, weil das Geld für den Arztbesuch zu fehlen schien. Oder wenn körperliche Beschwerden sich häuften, die sich später als Folge von finanziellem Dauerstress herausstellten. Geld, das nie direkt erwähnt wurde – und trotzdem alles bestimmte.
Je länger je mehr fasziniert mich, was Geld alles macht und ermöglicht, aber was es auch begrenzt und einschränkt. Was es an Emotionen und Gedanken auslöst. Und wie es unser Handeln und uns als Individuen ein Leben lang prägt.
Darüber möchte ich reden und schreiben. Gemeinsam darüber nachdenken. Es Menschen näherbringen. Und so das Thema Geld enttabuisieren – und es in seiner Vielfalt zu verstehen.
„Geld ist nie bloss eine abstrakte Zahl oder ein neutrales Tauschmittel. Es ist mehr: Es ist ein soziales Phänomen, das uns lebenslang prägt.“